Weihnachtspost
Kartenmarathon
Weihnachten ohne Weihnachtskarten? Für mich unvorstellbar. Und doch verbirgt sich hinter dem besinnlichen Schein jedes Jahr ein logistischer Albtraum, der selbst die Post in die Knie zwingt.
Adressbuchchaos
Alles beginnt mit meinem altmodischen Adressbuch – ein Relikt aus einer Zeit, in der WhatsApp noch nicht einmal erfunden war. Es ist zerfleddert, voller Herzchen, kryptischer Kürzel und durchgestrichener Namen. Jede Seite ist eine kleine Reise durch Vergangenheit und Freundschaften, aber auch eine Detektivarbeit: Wer lebt noch, wer ist schon in die Wolken abgewandert, wer hat dreimal die Adresse gewechselt oder einen neuen Namen angenommen? Und vor allem: Wer hat sich in diesem Jahr eine Karte verdient?
Der Schreibwarenladen freut sich jedes Jahr über meinen Pflichtbesuch. Mindestens dreißig Euro lasse ich dort, für Karten, die mal edel, mal kitschig sind – und natürlich für die Reserve, denn wehe, jemand schreibt mir zuerst. Dann muss ich reagieren, sonst gilt es als sozialer Totalausfall. Zuhause beginnt das große Adressieren und Frankieren, stundenlang, aber immerhin bei Kerzenschein, Glühwein und Gebäck. Romantisch. Manchmal denke ich, dass meine Freunde eine Strichliste führen und untereinander kommunizieren: „Hast du schon eine von ihr bekommen?“
Der Druck steigt, und ich frage mich, wie viele Karten eigentlich genug wären, um niemanden zu vergessen.
Massenmail
Plötzlich geht der Vorrat zur Neige. Alle Läden haben geschlossen, Panik macht sich breit. Was nun? Osterkarten vom Vorjahr? Oder der moderne Ansatz: eine Massenmail. Eine Standardkarte für alle, die ein PC-Programm öffnen können. Effizient, klar – bis der Computer abstürzt. Dann wird es erst richtig kompliziert.
Und jedes Jahr nehme ich mir vor: Nächstes Jahr lasse ich die Karten einfach weg. Aber Moment – das habe ich letztes Jahr auch schon gesagt. Und das Jahr davor. Frohes Schreiben!
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